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Die Müritz zeigt sich im Winter von einer ganz anderen Seite. Kälte verwandelt die riesige Wasserfläche in eine stille Ebene. Sie erleben eine Ruhe, die Sie im Sommer so nicht finden. Ein Spaziergang am verschneiten Ufer sorgt für klare Gedanken. Wenn die Temperaturen tief genug fallen, wagen sich Mutige sogar auf das Eis. Doch die Natur bestimmt die Regeln. Informieren Sie sich unbedingt vor Ort über die aktuelle Lage, bevor Sie das Eis betreten. Genießen Sie den Winter an der Seenplatte mit Vorsicht und Respekt vor den Elementen.
Die Müritz friert deutlich langsamer zu als kleine Gewässer. Große Wassermassen speichern die Wärme über lange Zeit. Es braucht oft mehrere Wochen dauerhaften Frost, damit sich das Eis bildet. Die Temperaturen müssen auch am Tag konstant unter dem Gefrierpunkt liegen. Wind verhindert oft das Zufrieren der großen Flächen. Wellen brechen das junge Eis immer wieder auf. Erst bei absoluter Windstille und klirrender Kälte schließt sich die Decke komplett. Meist frieren die flachen Buchten zuerst zu, während die tiefe Mitte der Müritz zugefroren erst sehr spät sicher ist.
Das Betreten der Eisflächen auf natürlichen Gewässern geschieht in Mecklenburg-Vorpommern fast immer auf eigene Gefahr. Kommunen geben die Müritz aufgrund ihrer Größe und der unberechenbaren Strömungen extrem selten offiziell frei. Sie müssen die Situation selbst einschätzen. Unterströmungen sorgen dafür, dass das Eis an manchen Stellen deutlich dünner bleibt als am Ufer. Achten Sie auf dunkle Flecken im Eis oder hörbares Knacken. Diese Signale deuten auf eine gefährlich dünne Schicht hin.
Verlassen Sie sich nicht auf andere Spaziergänger. Nur weil Fußspuren zu sehen sind, trägt die Eisdecke nicht automatisch sicher. Die Wasserschutzpolizei warnt im Radio und in lokalen Medien vor dem Betreten, wenn die Bedingungen kritisch sind. Nehmen Sie diese Warnungen ernst. Ein Einbruch ins Eiswasser führt binnen weniger Minuten zu Unterkühlung und Handlungsunfähigkeit. Lokale Eissegler oder Fischer kennen das Revier oft sehr genau und können Auskunft zur aktuellen Lage geben. Fragen Sie vor Ort nach, bevor Sie das Eis betreten.
Eine Kerneisdicke von mindestens 15 Zentimetern gilt als Richtwert für das Betreten durch Einzelpersonen oder kleine Gruppen. Bei großen Menschenansammlungen sind mindestens 20 Zentimeter notwendig. Schneebedecktes Eis ist besonders tückisch, da der Schnee wie eine Isolierschicht wirkt und das Wachstum der Eisschicht bremst. Zudem verdeckt der Schnee Risse und Löcher. Prüfen Sie die Eisdicke an der Müritz visuell, bevor Sie den festen Boden verlassen. Beachten Sie folgende Grundregeln für Ihre Sicherheit:
Wer auf der Müritz Schlittschuh läuft, tut dies vollständig auf eigene Gefahr. Die Städte und Gemeinden geben die Eisflächen auf den Naturgewässern grundsätzlich nicht offiziell frei. Es finden keine Messungen der Eisdicke durch Behörden statt. Auch wenn Sie Einheimische auf dem Eis sehen, bedeutet dies keine garantierte Sicherheit. Strömungen, besonders an den Verbindungen der Seen, machen das Eis unberechenbar. Eine sichere Alternative für Familien und Sportler ist die Eishalle in Malchow. Dort können Sie wetterunabhängig und gefahrlos Ihre Runden drehen, sollte das Natureis der Müritz nicht tragfähig sein.
Eissegeln wird auf der Müritz von erfahrenen Sportlern ausgeübt, ist jedoch an strenge Regeln gebunden. Da die Müritz in Teilen an den Nationalpark grenzt, müssen Sie die Schutzzonen zwingend beachten. Die Uferbereiche des Nationalparks sind oft Ruhezonen für überwinternde Wasservögel und dürfen weder befahren noch betreten werden. Informieren Sie sich vorab genau über die geltenden Befahrensverbote in den Naturschutzverordnungen. Dieser Sport erfordert zudem viel Erfahrung in der Einschätzung der Eisqualität, da die hohen Geschwindigkeiten bei einem Einbruch oder Sturz lebensgefährlich sein können. Es ist kein Zeitvertreib für Anfänger ohne Ortskenntnis.
Die sicherste Methode für Wintererlebnisse bietet der feste Boden am Ufer. Gut ausgebaute Wanderwege führen direkt an der Wasserlinie entlang. Sie genießen den freien Blick auf die weiße Weite, ohne sich der Gefahr des Einbrechens auszusetzen. Der Uferwanderweg von Waren (Müritz) in Richtung Nationalpark bietet weite Sichten auf den zugefrorenen See. Achten Sie bei Ihrer Ausrüstung auf festes Schuhwerk mit Profil. Die Wege sind oft vereist oder verschneit. Wanderstöcke oder leichte Spikes für die Schuhe geben Ihnen zusätzlichen Halt auf den glatten Abschnitten.
Früher fror die Müritz regelmäßig komplett zu. In extremen Wintern wie 1929 oder 1963 wuchs die Eisschicht auf über 50 Zentimeter an. Zeitzeugen berichten, dass damals Lastwagen über den See fuhren, um Waren zu transportieren oder Wege abzukürzen. Brauereien und Fischer nutzten das Eis wirtschaftlich. Sie sägten große Blöcke heraus, um Lebensmittel im Sommer zu kühlen. Diese sogenannte Eisernte war harte körperliche Arbeit. Heute kommen solche extremen Winter seltener vor. Die Geschichten über die „Eisstraßen“ auf der Müritz bleiben jedoch ein fester Teil der regionalen Historie.